Manchmal beginnt eine neue Kollektion nicht mit einer Zeichnung, sondern mit einer Erinnerung. Bei HARVEST sehe ich zuerst die Hostet meines Elternhauses vor mir. Die Apfelbäume, den Schatten darunter und die Früchte, die im Herbst endlich reif waren.
Als Kind habe ich dort gespielt. Später habe ich mitgearbeitet, Äpfel aufgesammelt oder einfach einen Stuhl unter die Bäume gestellt und eine Weile nichts anderes getan, als dort zu sitzen. Aus den Äpfeln wurde Apfelmus oder Kuchen. Einmal wollte ich sogar Äpfel im Schlafrock kochen – mit vermutlich mehr Begeisterung als Erfahrung. Diese Hostet war für mich ein Stück Zuhause. Und sie ist bis heute ein Ort, an den ich in Gedanken gerne zurückkehre.
Mit HARVEST wollte ich dieses Gefühl mit euch teilen: die Freude an der Ernte, an der Natur und an all den kleinen Momenten, die einen Herbsttag schön machen.
Ein Apfelbaum, den ich schon lange kenne
Ich mochte Früchte schon immer. Aber der Apfel hat für mich als Designer etwas Besonderes. Wir haben in der Schweiz einen unglaublichen Reichtum an Äpfeln: verschiedene Formen, Farben und Geschmäcker. Schon ein einzelner Baum verändert sich im Lauf des Jahres so stark, dass man immer wieder etwas Neues an ihm entdecken kann.
In der Sekundarschule habe ich den Apfelbaum im Garten meiner Eltern über die Jahreszeiten beobachtet und porträtiert. Ich habe mich über seine weissen Blüten gefreut und später aus den süssen Früchten selber Apfelkuchen gebacken. Vielleicht war das einer meiner ersten Versuche, genauer hinzuschauen und aus etwas Vertrautem etwas Eigenes zu machen.
Diese Neugier steckt auch in HARVEST. Bei MELA sieht man den Apfel aufgeschnitten: den feinen Rand, das helle Fruchtfleisch und die Kerne. Das kräftige Rot macht für mich die ganze Stimmung der Apfelernte sichtbar. ELMA zeigt dagegen viele reife, rote Äpfel auf hellem Grün – so lebendig, dass man am liebsten gleich einen pflücken würde.
Mehr als eine Frucht
Je länger ich an der Kollektion gearbeitet habe, desto klarer wurde mir, dass neben dem Apfel auch die anderen Früchte ihren Platz brauchen. Eine Ernte ist schliesslich reich und vielfältig.

Für PERA habe ich die Birne gewählt. Sie ist für mich etwas stiller und vielleicht gerade deshalb besonders schön. Die grünen Birnen auf cremefarbenem Grund erinnern mich an die Bäume rund um einen Bauernhof und an ruhige Herbsttage.
MORELA bringt die Aprikose in die Kollektion: aufgeschnitten, saftig und leuchtend orange auf Violett. Bei diesem Design denke ich an eine Pause draussen, ein Buch und eine Aprikose direkt vom Baum.
Und dann ist da UVA. Trauben gehören für mich genauso zur Erntezeit wie Äpfel und Birnen. Ihr dunkles Violett auf Creme erinnert an den Rebberg und an ein gutes Glas Wein, das man später gemeinsam geniesst.
Die Sportsocke HARVEST nimmt die Früchte noch einmal auf und verbindet die verschiedenen Motive. Zu mehreren Designs sind ausserdem Seidenfoulards entstanden. Ich mag den Gedanken, dass ein Motiv ganz unterschiedlich getragen werden kann: sichtbar an den Füssen, locker um den Hals oder als kleines Detail im Haar.
Eine Zusammenarbeit, die sich richtig angefühlt hat
Der Apfel hat mich auch zu Donat von Apfelgold Bern geführt. Wer schon einmal bei ihm in der Länggasse war, weiss, weshalb ich diesen Ort so mag. Es gibt sortenreine Apfelsäfte und Schorlen, Cidre, feinen Kaffee und Tee – und in der Vitrine warten immer wieder andere hausgemachte Kuchen und Gebäcke. Man kommt vielleicht für ein Stück Kuchen vorbei und bleibt dann doch viel länger sitzen.
Donat und ich haben für HARVEST gemeinsam eine Socke und ein Seidenfoulard gestaltet. Darauf zu sehen sind aufgeschnittene Äpfel aus der Bildwelt von Apfelgold. Ich freue mich sehr darüber, dass aus unserer Zusammenarbeit etwas entstanden ist, das beide Welten verbindet: seine Liebe zum Apfel und zu gutem Essen, meine Freude an Farbe, Muster und Dingen, die man jeden Tag tragen kann.
Wenn ihr Apfelgold noch nicht kennt, kann ich euch einen Besuch von Herzen empfehlen. Am besten nehmt ihr euch ein bisschen Zeit dafür.
Ein langer, glücklicher Tag auf dem Bauernhof
Eine Kollektion wächst am Zeichentisch im Atelier. Aber für mich wurde HARVEST erst beim Fotoshooting so richtig lebendig.

Wir waren von frühmorgens an auf dem Bauernhof: haben Outfits zusammengestellt, die Socken und Foulards kombiniert, fotografiert und draussen auf dem Feld nach den schönsten Momenten gesucht. Die Kühe waren gleich nebenan. Mit Donat, Rebecca, die die Videos für Social Media gemacht hat, und unseren Models – jung und alt, mit und ohne Bein – war es ein Tag voller Begegnungen und Ideen.

Ich wollte, dass die Bilder Wärme und Freude zeigen und dass die Menschen darin sie selbst sein können. Zwischendurch gab es diese Augenblicke, in denen ich kurz stehen blieb und dachte: Genau so habe ich mir HARVEST gewünscht. Menschen zusammen draussen, mitten in der Natur, mit Früchten, Farben und Zeit füreinander.

So ein Shooting ist viel Arbeit. An diesem Tag hat mich die Arbeit aber vor allem glücklich gemacht. Ich bin allen dankbar, die mitgedacht, angepackt und HARVEST mit Leben gefüllt haben.

Was für mich von HARVEST bleibt
Im Herbst können wir sehen und geniessen, was über Monate gewachsen ist. Vielleicht berührt mich die Ernte auch deshalb so sehr: Sie erinnert mich daran, wie viel Zeit, Aufmerksamkeit und gemeinsames Tun in schönen Dingen steckt.

HARVEST bringt mich zurück in die Hostert meiner Kindheit und zugleich zu den Menschen, mit denen ich heute gestalten darf. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Kollektion und stolz, sie euch endlich zeigen zu können. Ich hoffe, ihr entdeckt darin eine Frucht, eine Farbe oder eine Erinnerung, die euch genauso Freude macht wie mir.
Danke Donat, Rebecca, Nina, Dilara, Leo, Melea, Adolf, Leonie, Moritz & Nina!





